Seht die Welt durch meine Augen
Die Geschichte einer Welt die nicht unsere ist
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Die Chronik von M67 — Teil 3
Drei weitere Überlieferungen der pilzartigen Schleimschnecken
I. Die Überlieferung des Thalgar — Das Gedächtnis des Waldes
Thalgar war, unter den vier Chronisten, derjenige, der den Schleimschnecken am längsten und am geduldigsten zusah, bevor er auch nur eine Zeile über sie schrieb. Man muss das wissen, um zu verstehen, warum seine Fassung der Geschichte sich so grundlegend von der Aelaras unterscheidet, obwohl beide, so glauben spätere Chronisten, in derselben Epoche entstanden sein müssen. Wo Aelara den Schrecken suchte, der sich hinter dem Anblick der Kreaturen verbarg, suchte Thalgar die Ordnung, die sich hinter ihrem scheinbaren Chaos verbarg – und er fand sie, indem er einfach dablieb, Jahreszeit um Jahreszeit, bis der Wald selbst begann, ihm seine Geschichte zu erzählen.
Xerathia, seine Lehrmeisterin, hatte ihn gelehrt, dass die Zukunft sich nicht ansagt, sondern sich in Mustern verbirgt, die man erst erkennt, wenn man lange genug hinsieht. Thalgar übertrug diese Lehre auf die Schleimschnecken, und was er fand, überraschte selbst ihn: Die Kreaturen, so hielt er fest, besaßen kein Gedächtnis im landläufigen Sinn – keinen Ort in ihrem Körper, den man mit einem Gehirn oder auch nur mit einem Nervenknoten hätte vergleichen können. Und doch verhielten sie sich, als erinnerten sie sich. Schleimschnecken, die noch nie zuvor einem bestimmten Ulkus-Wurm begegnet waren, entwickelten binnen weniger Generationen Abwehrmechanismen, die exakt auf diese eine Parasitenart zugeschnitten waren – als hätte das Wissen über den Feind sich nicht im einzelnen Individuum, sondern im gesamten Myzelnetz des Waldes abgelagert, zugänglich für jede Schleimschnecke, die daran angeschlossen war, unabhängig davon, ob sie selbst je befallen gewesen war.
Thalgar nannte dieses Phänomen später, in seinen eigenen Aufzeichnungen, das „Gedächtnis des Waldes" – eine Formulierung, die ihm nicht leichtfiel, weil sie eine Vorstellung von Bewusstsein andeutete, die weit über das hinausging, was seine Zeitgenossen einer Pflanze, einem Pilz oder einer Schnecke zutrauten. Er beschrieb, wie er Nacht für Nacht am Fuß der ältesten Bäume saß und mit bloßem Auge beobachten konnte, wie sich das Myzel unter der Laubdecke bewegte, wenn irgendwo im Wald eine Schleimschnecke litt – eine Art langsames, kaum wahrnehmbares Zucken, das sich über Dutzende Meter fortpflanzte, als würde ein Schmerzsignal von Wurzel zu Wurzel weitergereicht.
Aus dieser Beobachtung entwickelte Thalgar den Kern seiner Fassung: dass die pilzartigen Schleimschnecken nicht als einzelne Wesen zu verstehen seien, sondern als sichtbare Ausläufer eines viel größeren, unter der Erde verborgenen Organismus – ein einziges, gigantisches Myzelnetz, das den gesamten Urwald durchzog und von dem jede einzelne Schleimschnecke nur ein Fingerspitze war, ein Sinnesorgan, das an die Oberfläche ragte, um Licht, Bewegung und Gefahr wahrzunehmen und die gesammelten Informationen zurück ins Netzwerk zu speisen. Was wie eine Vielzahl von Individuen aussah, war in Wahrheit, so Thalgars kühne These, ein einziges Bewusstsein, verteilt über eine Fläche, die größer war als jede Stadt, die die Cyborgs je gebaut hatten.
Diese Deutung erklärte für Thalgar auch, warum sich die Resistenz gegen die Ulkus-Würmer so schnell im gesamten Wald verbreitete – nicht durch klassische Vererbung von einer Generation zur nächsten, sondern durch etwas, das eher einem kollektiven Lernprozess glich. Eine Schleimschnecke, die überlebte, „lehrte" gewissermaßen das gesamte Netzwerk, wie der Feind zu besiegen war, und jede neue Schleimschnecke, die aus demselben Myzel hervorging, kam bereits mit diesem Wissen zur Welt, ohne es selbst je erworben zu haben.
Was Thalgars Chronik von den anderen unterscheidet, ist ihr fast wissenschaftlicher, unaufgeregter Ton – dort, wo Aelara vom Schrecken der Deformation spricht, spricht Thalgar von Anpassung als einem geduldigen, fast weisen Prozess. Er beschreibt die genetischen Anomalien, die Agenesien und Dysplasien, nicht als Tragödien, sondern als Experimente des großen Netzwerks selbst – als würde der Wald durch seine einzelnen Ausläufer testen, welche Form am besten funktionierte, in dem Wissen, dass ein einzelner missglückter Versuch das große Ganze nicht gefährdete, solange das Netzwerk selbst bestehen blieb.
Am Ende seiner überlieferten Fassung – die, wie viele der Chroniken, abrupt endet, ohne echten Schluss, als hätte Thalgar die Arbeit an ihr nie ganz abgeschlossen – schreibt er einen Satz, der oft zitiert wird, weil er sich wie eine Antwort auf Aelaras kalte Schlussworte liest, obwohl unklar ist, ob Thalgar Aelaras Fassung überhaupt kannte: „Vielleicht sind wir nicht die Einzigen, die sich fragen, ob sie beobachtet werden. Vielleicht fragt sich auch der Wald, wer wir sind, die durch ihn hindurchgehen."
II. Die Überlieferung des Rynax — Der Sturm und das, was er verstreute
Rynax, der Wächter des Wandels und engste Schüler K'arax', erzählte die Geschichte der Schleimschnecken mit einer erzählerischen Klarheit, die seinen Lehrer selbst stolz gemacht haben dürfte – eine Geschichte ohne Rätsel, ohne verborgenes Bewusstsein, ohne fremde Reisende. Bei Rynax ist es allein der Zufall, roh und unpersönlich, der die Geschichte in Bewegung setzt: ein Sturm.
Er beschreibt ihn mit einer Detailfreude, die selten ist unter den Chronisten von M67 – nicht als vage, mythische Katastrophe, sondern als konkretes, beinahe meteorologisches Ereignis. Über Tage hinweg, so Rynax, hatte sich die Luft über dem Urwald verändert, war schwerer geworden, geladener, bis die Bäume selbst begannen, sich merkwürdig zu verhalten – ihre Kronen neigten sich alle in dieselbe Richtung, obwohl noch kein Wind wehte, als würden sie etwas spüren, das den Bewohnern des Waldes noch verborgen blieb. Dann, in einer einzigen Nacht, brach der Sturm los, mit einer Wucht, die Rynax als „das Ende jeder Stille, die der Wald je gekannt hatte" beschreibt.
Der Sturm riss nicht nur Äste und Blätter mit sich, sondern auch unzählige der pilzartigen Schleimschnecken samt den Sporenwolken, die sie ständig um sich herum verströmten – eine natürliche Fortpflanzungsstrategie, die unter gewöhnlichen Umständen dafür sorgte, dass sich die Art langsam über den Waldboden ausbreitete, wenige Meter pro Generation. Was in dieser einen Nacht geschah, sprengte jedes gewohnte Maß: Die Sporen wurden nicht über den Waldboden getragen, sondern über die Baumkronen hinaus, hinauf in Schichten der Atmosphäre, die kein Lebewesen des Planeten je erreicht hatte, und von dort, in einem Prozess, den selbst Rynax nicht vollständig erklären kann und den er offenbar auch nicht erklären wollte, hinaus in den luftleeren Raum.
Hier liegt die eigentümlichste Stelle in Rynax' gesamter Erzählung: Er beschreibt den Übergang von Atmosphäre zu Vakuum nicht als dramatischen Bruch, sondern fast beiläufig, als wäre es die natürlichste Sache der Welt, dass etwas, das im dichten Unterholz eines Waldes entstanden war, den luftleeren Raum zwischen den Sternen überdauern konnte. Manche spätere Leser haben in dieser Beiläufigkeit einen erzählerischen Kunstgriff vermutet – Rynax, so ihre These, wollte gerade durch das Fehlen jeder Erklärung die ungeheure Widerstandsfähigkeit der Sporen unterstreichen, die selbst unter Bedingungen bestehen konnten, für die sie nie vorgesehen waren.
Über einen Zeitraum, den Rynax nicht in Jahren, sondern in „so vielen Umläufen der drei Planeten, dass niemand mehr zählte", beschreibt, trieben die Sporen durch den Raum, getragen von nichts als dem Schwung, den ihnen der Sturm einst mitgegeben hatte, bis sie auf andere Himmelskörper trafen – manche auf lebensfeindliche, wo sie unmittelbar zugrunde gingen, manche auf Welten, die den Bedingungen ihrer Heimat nahe genug kamen, dass sie Wurzeln schlagen konnten, im wörtlichsten Sinn des Wortes.
Was Rynax' Fassung von den anderen dreien unterscheidet, ist ihr Interesse nicht am Ursprung, sondern an der Folge: Er verweilt kaum bei der Frage, warum sich die Schleimschnecken so verhielten, wie sie es taten, sondern widmet den größten Teil seiner Chronik dem, was aus ihnen wurde, nachdem sie sich über zahllose neue Welten verteilt hatten. In seiner Darstellung war es keine plötzliche, dramatische Spaltung, sondern ein langsames, über unzählige Generationen verteiltes Auseinanderdriften: Auf manchen Welten, wo der Boden trockener war und weniger Nährstoffe bot, entwickelten sich jene Linien, die begannen, Schalen auszubilden – einen härteren, schützenden Panzer, der ihnen erlaubte, sich in Zeiten der Dürre zurückzuziehen. Diese Linien wurden, wie Rynax es nennt, zu den Schneckschnecken, den Vorfahren dessen, was wir heute schlicht Schnecken nennen. Auf anderen Welten hingegen, wo Feuchtigkeit reichlich vorhanden war und organisches Material, das es zu zersetzen galt, entwickelten sich jene Linien weiter, die auf das Myzel setzten statt auf eine Schale – geduldigere, langsamere Organismen, die keine Notwendigkeit mehr sahen, sich fortzubewegen, weil sich ihre Nahrung ohnehin überall um sie herum befand. Diese wurden zu dem, was wir heute Pilze nennen.
Rynax' Chronik endet mit einer stillen, fast unauffälligen Pointe, die vielen ihrer Leser erst beim zweiten Lesen auffällt: dass die Cyborgs selbst, als sie Jahrmillionen später auf ihrer Reise durch die Tube neue Welten besiedelten, auf Planeten trafen, deren Böden bereits von Pilzen und Schnecken bevölkert waren – Nachfahren jenes einen Sturms, der einst über einen fernen Urwald hinweggefegt war, lange bevor irgendein Cyborg auch nur wusste, dass es diesen Wald überhaupt gab. „Wir kamen", schreibt Rynax, „nicht als Erste. Wir kamen nur später als der Wind."
III. Die Überlieferung der Sylara — Die Zwittrigen und das Gesetz der Einsamkeit
Sylaras Fassung reicht, wie bereits angedeutet, am weitesten zurück – so weit, dass sie eigentlich gar nicht die Geschichte der Schleimschnecken selbst erzählt, sondern die Vorgeschichte ihrer Vorgeschichte: die Geschichte jener winzigen Organismen, die sie „die Zwittrigen" nennt, aus denen über unvorstellbare Zeiträume erst das wurde, was später als pilzartige Schleimschnecke bekannt sein sollte.
Sylara, als Jüngerin Lyssandras, näherte sich dieser Geschichte mit einem Blick, der sich weniger für einzelne Ereignisse interessierte als für die stillen, langsamen Kräfte, die über Jahrmillionen wirken – Kräfte, die kein einzelner Beobachter je vollständig miterleben kann, sondern nur in ihren Auswirkungen erahnt. Wo Aelara vom Reisenden, Thalgar vom Wald und Rynax vom Sturm erzählt, erzählt Sylara von einer Einsamkeit, die so grundlegend war, dass sie zur eigentlichen Triebfeder der gesamten Evolution wurde.
Die Zwittrigen, so beschreibt sie, lebten in einer Zeit und an einem Ort, an dem Begegnung selten war – winzige Organismen, verstreut über eine junge, kaum besiedelte Welt, deren Nebel so dicht war, dass zwei Individuen einander unter Umständen nie in ihrem gesamten Dasein begegneten. Für eine Spezies, die auf Fortpflanzung durch Begegnung zweier Partner angewiesen gewesen wäre, hätte eine solche Einsamkeit das sichere Ende bedeutet. Die Zwittrigen aber hatten, wie Sylara es beschreibt, längst eine andere Antwort gefunden: die Autogamie, die Fähigkeit, sich selbst zu befruchten, ganz ohne die Notwendigkeit, jemals einem anderen ihrer Art zu begegnen.
Sylara beschreibt diese Fähigkeit nicht als bloßen biologischen Mechanismus, sondern als etwas, das sie „das Gesetz der Einsamkeit" nennt – die Erkenntnis, dass eine Spezies, die lernt, mit sich selbst vollständig zu sein, unabhängig von äußeren Bedingungen überleben und sich vermehren kann, während Spezies, die auf Begegnung angewiesen bleiben, dem Zufall unterworfen sind, ob dieser Begegnung überhaupt stattfindet. In dieser Lesart ist die spätere Anpassungsfähigkeit der pilzartigen Schleimschnecken – ihre Fähigkeit, in praktisch jeder Umgebung zu bestehen, von der giftigsten Sumpflandschaft bis zur lichtlosesten Höhle – keine neu erworbene Eigenschaft, sondern das direkte Erbe jener uralten Einsamkeit, die die Zwittrigen einst zu Meistern der Selbstgenügsamkeit machte.
Aus den Zwittrigen, so Sylara weiter, entwickelte sich über Zeiträume, die sie selbst nur in vagen Andeutungen beschreibt – „länger, als Sterne brauchen, um zu altern" – jenes Netzwerk aus fadenartigen Strukturen, das Thalgar später das Myzel nennen sollte, sowie die charakteristischen fünf Augen, die den ausgewachsenen Schleimschnecken erlaubten, selbst in völliger Dunkelheit Gefahren wahrzunehmen. Sylara legt in ihrer Chronik besonderen Wert auf die Zahl Fünf – sie deutet sie, in einer für ihre sonst nüchterne Erzählweise ungewöhnlich mystischen Passage, als Echo der fünf Propheten selbst, obwohl sie einräumt, dass die Schleimschnecken lange vor der Ankunft der Cyborgs existierten und die Zahl daher kein bewusstes Zeichen, sondern höchstens eine merkwürdige Übereinstimmung sein könne – eine jener Verbindungen, die man findet, wenn man lange genug nach ihnen sucht, ohne dass sie deshalb weniger bedeutsam wirken.
Auch bei Sylara endet die Geschichte mit einer Aufspaltung, doch ihre Version unterscheidet sich in einem entscheidenden Detail von der Rynax': Während bei Rynax äußere Umweltbedingungen – Trockenheit hier, Feuchtigkeit dort – über das Schicksal der beiden entstehenden Linien entscheiden, beschreibt Sylara die Trennung in Schneckschnecken und Pilzschnecken als eine Entscheidung, die tief im ursprünglichen Wesen der Zwittrigen selbst angelegt war, ein Same, der von Anfang an zwei mögliche Ausprägungen in sich trug und nur darauf wartete, dass die Umstände eine von beiden begünstigten. Es sei, so schreibt sie, „nicht die Welt, die die Zwittrigen geteilt hat, sondern die Zwittrigen, die sich in der Welt endlich zeigen konnten, wie sie schon immer gewesen waren."
Sylaras Chronik schließt mit einem Gedanken, der sie von allen anderen Fassungen unterscheidet – einem Gedanken, der weniger von der Vergangenheit der Schleimschnecken handelt als von deren möglicher Zukunft: Wenn die ursprüngliche Fähigkeit zur Autogamie, zur vollständigen Selbstgenügsamkeit, tatsächlich das eigentliche Erbe der Zwittrigen sei, dann trage jede einzelne Schleimschnecke, jede Pilzschnecke, jede Schneckschnecke, die heute noch existiert, dieses uralte Gesetz der Einsamkeit noch immer in sich – eine Fähigkeit, die im Verborgenen ruht, bis eine Umgebung so lebensfeindlich, so gänzlich ohne Begegnung wird, dass sie wieder gebraucht wird. „Vielleicht", schreibt Sylara in ihrer letzten überlieferten Zeile, „ist das, was wir Fortschritt nennen, nur ein langer Umweg zurück zu dem, was die Zwittrigen schon immer wussten: dass man niemanden braucht, um weiterzuleben – nur die Bereitschaft, sich selbst nicht aufzugeben."
IV. Vier Stimmen, ein Wald
Legt man nun alle vier Überlieferungen nebeneinander – Aelaras kalten Reisenden, Thalgars denkenden Wald, Rynax' gleichgültigen Sturm und Sylaras uralte Einsamkeit –, ergibt sich kein Widerspruch, sondern etwas, das man am ehesten als vierstimmige Erzählung bezeichnen könnte, bei der jede Stimme eine andere Wahrheit über dasselbe Ereignis trägt, ohne dass eine die anderen widerlegt.
Vielleicht war es tatsächlich ein Sturm, der die Sporen zum ersten Mal über die Grenzen des Waldes hinaustrug, wie Rynax es beschreibt. Vielleicht war es der geheimnisvolle Reisende, der später einige der bereits verstreuten Schleimschnecken gezielt einsammelte und noch weiter trug, wie Aelara berichtet. Vielleicht war es das Myzelnetz selbst, wie Thalgar vermutete, das über all diese Jahrmillionen ein eigenes, verteiltes Bewusstsein entwickelte, das seine Ausbreitung nicht nur erduldete, sondern in gewisser Weise auch verstand. Und vielleicht, ganz am Anfang von allem, war es tatsächlich nichts als das uralte Gesetz der Einsamkeit, das Sylara in den Zwittrigen fand – jene stille, unspektakuläre Fähigkeit, ohne einen anderen zu bestehen, die am Ende widerstandsfähiger war als jede Katastrophe, jeder Sturm, jeder fremde Reisende, der über die Kreaturen dieses Waldes verfügte, als seien sie sein Eigentum.
Was bleibt, wenn man alle vier Stimmen verstummen lässt, ist ein einziges Bild, das sich durch jede der Chroniken zieht, gleich, wer sie erzählt: eine Kreatur, die aus Leid geboren wurde – aus Parasiten, aus Deformation, aus Einsamkeit, aus Zerstörung – und die genau daraus die Fähigkeit gewann, praktisch überall zu bestehen. Es ist, wie einer der späteren, namentlich nicht überlieferten Leser der Chroniken einmal an den Rand einer Abschrift schrieb, vielleicht die einzige Lehre, die sich aus allen vier Versionen gleichermaßen ziehen lässt, ganz gleich, welcher man am ehesten glaubt: dass nichts, was einmal überlebt hat, jemals ganz verschwindet – es verändert nur die Form, in der es weiterlebt, und wartet, in einem Wald, einer Weide, einem feuchten Keller voller vergilbter Zeitungen, darauf, dass es wieder feucht wird.
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